Welche Tools nutzen deutsche Non-Profit-Organisationen?

Eine Bestandsaufnahme 2026: Ich habe die Websites von fast 4.000 gemeinnützigen Organisationen analysiert, darunter auch die Top 100 Spendenorganisationen Deutschlands.

Wir schreiben das Jahr 2026 und die Digitalisierung des Non-Profit-Sektors schreitet weiter voran. Doch welche Tools setzen Organisationen tatsächlich ein? Um diese Frage zu beantworten, habe ich die Websites von fast 4.000 gemeinnützigen Organisationen analysiert, darunter auch die Top 100 Spendenorganisationen Deutschlands. Die Ergebnisse zeigen interessante Unterschiede zwischen großen und kleinen Organisationen und geben einen Einblick in den aktuellen Stand der digitalen Infrastruktur im Dritten Sektor.

Dabei geht es in diesem Artikel nicht um eine Bewertung der einzelnen Tools, sondern um eine Bestandsaufnahme: Was wird tatsächlich genutzt? Die Daten wurden durch technische Analyse der Websites ermittelt, nicht alle Tools lassen sich so erkennen, weshalb die tatsächliche Nutzung teilweise höher liegen dürfte.

Inhaltsverzeichnis

Spendentools: FundraisingBox dominiert bei den Großen

Bei den Spendentools zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen den Top 100 Spendenorganisationen und dem breiten Feld der über 1.000 analysierten Organisationen mit Spendenseite.

Infografik Top Spendentools: Links Top 100 mit FundraisingBox 32%, Twingle 16%, RaiseNow 8%, FundraiseUp 4%, Spendino 2%, Sonstige/Eigene 38%. Rechts 1.000 Organisationen mit Sonstige/Eigene 75%, FundraisingBox 11%, Twingle 8%, RaiseNow 2%, Betterplace 2%, Sozialbank 2%
Verteilung der Spendentools bei den Top 100 Spendenorganisationen und bei 1.000 Organisationen mit Spendenseite. Quelle: Plu|ra|log 2026

Die FundraisingBox ist mit 32 Prozent der klare Marktführer bei den Top 100, fast jede dritte große Spendenorganisation setzt auf diese Lösung. Twingle folgt mit 16 Prozent auf Platz zwei, RaiseNow kommt auf 8 Prozent. Der amerikanische Anbieter FundraiseUp hat im letzten Jahr erste Kunden gewonnen und erreicht hier immerhin 4 Prozent. Der Rest hat eigene Lösungen, häufig im Zusammenspiel mit einem externen Zahlungsdienstleister wie Stripe.

Ganz anders das Bild bei den kleineren Organisationen. Hier wurden 1.000 Organisationen angeschaut, welche Spendeneinnahmen in ihren Jahresberichten ausweisen. Drei Viertel davon nutzen keine der bekannten Lösungen, die meisten davon haben kein eigenes Spendenformular, sondern geben nur die Bankverbindung an. Bei den spezialisierten Tools ist auch hier die FundraisingBox mit 11 % marktführend, allerdings mit einem nur geringen Abstand zu Twingle, die auf 8 Prozent kommen. Zudem kommen hier die Tools der Sozialbank und von Betterplace zum Einsatz, welche bei den Top 100 nicht als Hauptformular vorkommen.

Für die Praxis bedeutet das: Es braucht ein professionelles, einfaches Spendenformular. Das kann out of the box bei einem der spezialisierten Anbieter erworben, oder selbst entwickelt werden. Ein reines Lastschrift-Formular oder nur die Bankverbindung ist jedoch kein professionelles Fundraising mehr.

Content-Management-Systeme: Typo3 vs. WordPress

Bei den Content-Management-Systemen zeigt sich ein interessanter Gegensatz: Die großen Organisationen setzen mehrheitlich auf Typo3, während bei allen analysierten Organisationen WordPress führt.

Infografik Top NGO-CMS: Links Alle mit WordPress 39%, Typo3 25%, Drupal 5%, Joomla 4%, Contao 3%, Neos 0%, Andere 24%. Rechts Top 100 mit Typo3 40%, WordPress 27%, Drupal 10%, Contao 3%, Joomla 2%, Neos 2%, Andere 16%
Verteilung der Content-Management-Systeme bei 3.988 Non-Profit-Organisationen und den Top 100 Spendenorganisationen. Quelle: Plu|ra|log 2026

Bei den Top 100 dominiert Typo3 mit 40 Prozent deutlich vor WordPress mit 27 Prozent. Auch Drupal spielt mit 10 Prozent noch eine relevante Rolle. Das Bild bei allen Organisationen ist umgekehrt: Hier führt WordPress mit 39 Prozent, während Typo3 auf 25 Prozent kommt.

Die Erklärung liegt auf der Hand: Typo3 gilt als Enterprise-Lösung, die besonders bei komplexen, mehrsprachigen Websites mit vielen Redakteuren ihre Stärken ausspielt, typische Anforderungen großer Organisationen. WordPress hingegen ist schneller aufgesetzt, günstiger im Betrieb und für kleinere Teams leichter zu handhaben.

Interessant ist der relativ geringe Anteil von Drupal (5 Prozent), während es bei den spendenstarken Organisationen noch 10 Prozent sind. Drupal war lange Zeit das CMS der Wahl für große NGOs, scheint aber an Relevanz zu verlieren. Der hohe Anteil von 24 % anderer Systeme liegt dagegen vor allem am Gesundheitssektor, wo spezielle Systeme zum Einsatz kommen.

E-Mail-Marketing: CleverReach führt das Feld an

E-Mail-Marketing bleibt ein Kernkanal für die Kommunikation mit Spender:innen und Unterstützer:innen. Bei den über 1.000 Organisationen, bei denen ein E-Mail-Tool identifiziert werden konnte, zeigt sich ein buntes Bild.

Infografik E-Mail-Tools: Links Alle mit CleverReach 331, Brevo 292, Mailchimp 235, MailerLite 117, RapidMail 111, Mailjet 41, Andere 22. Rechts Top 100 mit Andere 23, CleverReach 16, Brevo 10, RapidMail 5, MailerLite 3, Mailjet 2, Mailchimp 1
Nutzung von E-Mail-Marketing-Tools bei 1.139 Non-Profit-Organisationen und den Top 100 Spendenorganisationen. Quelle: Plu|ra|log 2026

CleverReach ist der meistgenutzte Anbieter im Gesamtfeld, gefolgt von Brevo (ehemals Sendinblue oder Newsletter2Go) und dem US-amerikanischen Anbieter Mailchimp. Diese drei teilen sich den Löwenanteil des Marktes.

Spannend wird es bei den Top 100: Hier dominiert die Kategorie "Andere" mit 23 Organisationen deutlich. Das deutet darauf hin, dass große Organisationen häufig auf spezialisierte oder integrierte Lösungen setzen, etwa die Marketing-Tools der großen CRM-Systeme oder Enterprise-Lösungen, die in der Analyse nicht erkannt wurden.

Auffällig ist der geringe Mailchimp-Anteil bei den Top 100: Nur eine Organisation nutzt den amerikanischen Anbieter. Das könnte mit Datenschutzbedenken zusammenhängen.

Analyse-Tools: Google Analytics bleibt Standard

Bei den Analyse-Tools zeigt sich das erwartbare Bild: Google Analytics dominiert nach wie vor. Allerdings zeigt sich auch eine bemerkenswerten Entwicklung bei den datenschutzfreundlichen Alternativen, die mehr Sessions erfassen.

Infografik Analyse-Tools: Links Alle mit Google Analytics 1959, Matomo 1260, etracker 143, Hotjar 108, Piwik Pro 18. Rechts Top 100 mit Google Analytics 76, Matomo 33, Hotjar 16, etracker 6, Piwik Pro 5
Nutzung von Analyse-Tools bei 2.848 Non-Profit-Organisationen und den Top 100 Spendenorganisationen. Quelle: Plu|ra|log 2026

Von den fast 3.000 Organisationen mit erkennbarem Analyse-Tool setzen etwa 70 Prozent auf Google Analytics. Matomo als datenschutzfreundliche Alternative kommt auf rund 44 Prozent. Da viele Organisationen mehrere Tools parallel nutzen, addieren sich die Prozente auf über 100.

Bei den Top 100 ist das Verhältnis ähnlich: 76 nutzen Google Analytics, 33 Matomo. Bemerkenswert ist hier der relativ hohe Anteil von Hotjar (16 Organisationen), einem Tool für Heatmaps und User-Recordings, das tiefere Einblicke in das Nutzerverhalten ermöglicht. Das zeigt, dass große Organisationen nicht nur Besucherzahlen messen, sondern aktiv an der Optimierung ihrer Websites arbeiten.

Die hohe Matomo-Verbreitung ist erfreulich: Die Open-Source-Lösung ermöglicht datenschutzkonformes Tracking ohne Cookie-Banner.

Was bedeutet das für die Praxis?

Die Analyse zeigt deutliche Unterschiede zwischen großen und kleinen Organisationen. Während die Top 100 auf professionelle, oft teurere Lösungen setzen, arbeiten viele kleinere Organisationen mit günstigeren Standard-Alternativen.

Das ist nicht per se schlecht: Nicht jede Organisation braucht ein Enterprise-CMS oder eine hochspezialisierte Spendenlösung. Entscheidend ist, dass die Tools zur eigenen Strategie und den vorhandenen Ressourcen passen.

Für Organisationen, die ihre digitale Infrastruktur weiterentwickeln wollen, bieten diese Daten eine Orientierung. Dabei gilt: Die Großen kopieren bringt nichts, wenn die eigenen Strukturen nicht passen. Aber zu sehen, was funktioniert, kann helfen, die richtigen Fragen zu stellen.


Die Daten wurden durch technische Analyse der Websites sowie der Impressumsangaben erhoben. Nicht alle Tools lassen sich so erkennen, mal sind die Datenschutzbestimmungen dürftig, mal bleiben Backend-Systeme unsichtbar. Die tatsächliche Tool-Nutzung dürfte daher etwas höher liegen als hier dargestellt.