Gute Anglizismen ‚Äď b√∂se Fremdw√∂rter

Es ist also mal an der Zeit Anglizismen zu verteidigen. Mit neuen Dingen & Tätigkeiten kommen auch neue Wörter zu uns. Abschottung passé.

Es ist also mal an der Zeit Anglizismen zu verteidigen. Gute Anglizismen zumindest. Noch dazu schreibe ich den Text gerade aus Br√ľssel, wo sich alle hervorragend mit schlechtem Englisch unterhalten. Neben den Franzosen finden das nur die Engl√§nder wirklich bedenklich.
Ich finde es gut, dass mit neuen Dingen und Tätigkeiten auch neue Wörter zu uns kommen. Abschottung passé. Ich beschwer mich ja auch nicht, dass es in den USA kindergartens, rucksacks und den weltschmerz gibt. Auf den Export des blitzkriegs hätte ich da schon eher verzichten können.

Genau wie andere Fremdw√∂rter, sind Anglizismen geeignet, Sprache zu differenzieren. Bevor also wieder neue W√∂rter erfunden werden, spricht nichts dagegen ein bestehendes Wort aus einer anderen Sprache zu √ľbernehmen oder sich international auf ein Neues zu einigen. Ich hab nun mal einen Laptop und keinen Klapprechner.

Wenn ich meiner Oma erkl√§ren soll, was ich „arbeite“, ist es egal ob ich erkl√§re „Online-Marketing f√ľr Nonprofits“ zu machen oder sage, dass „ich mit Hilfe des Internets Spenden f√ľr Vereine und Verb√§nde sammle, ihnen dabei helfe ihre Botschaft zu verbreiten und mit Interessierten und Mitgliedern zu kommunizieren“. Was ich den lieben langen Tag lang mache versteht sie trotzdem nicht. Wobei das wieder ein anderes Problem ist…

B√∂se wird es, wenn Feinheiten verloren gehen oder niemand mehr die Botschaft versteht. Da sind aber W√∂rter wie „sale“, nicht weniger Schlimm als „grundrechtsschonend“. Im Gegensatz zu einer √úberfremdung von Sprache ist „Neusprech“ wirklich ein Albtraum vor dem wir uns in acht nehmen sollten.

Sprache ist immer eine Frage der Audience √§hm des adressierten Publikums also des Gegen√ľbers. Bei wissenschaftlichen Texten kommt es da schon mal vor, dass der englische Text verst√§ndlicher ist als ein deutscher. Einfach weil die Autoren in der Lage sind einen Sachverhalt klar auszudr√ľcken. Mir sind aber auch schon Philosophiestudenten begegnet, die extra nach Deutschland gekommen sind um irgendwann mal Schopenhauer und Nietzsche im Original zu lesen und wirklich zu verstehen. Wenn zwei Nerds l√§stern ist es okay, wenn ich als Unbeteiligter nur die H√§lfte von ihrem gerande und gebashe verstehe. Sch√∂n ist es aber, wenn diese Menschen mit speziellen F√§higkeiten auch in der Lage sind ihrer Sachbearbeiterin bei der Arbeitsagentur (nicht im Jobcenter) zu erkl√§ren, was sie k√∂nnen.

Aber ich weiche ab. Was ich eigentlich sagen will: versuchen wir eine verständliche Sprache zu sprechen, egal wo die Wörter herkommen.

Vielleicht gibt’s ja auch mal ein neues, cooles Wort aus dem chinesischen oder arabischen. Aber jetzt yalla, yalla zur√ľck an die Arbeit.