Beworbene Petition des WWF auf change.org

Veränderung bei Change.org

Hallo Andreas,
(Der Name ist zufällig ausgewählt, melde dich bei meinem Newsletter an um neue Texte, wirklich personalisiert und einen Tag früher, via E-Mail zu bekommen)

Change.org will ihr Geschäftsmodell weltweit fundamental verändern. Auf diese Ankündigung bin ich letzte Woche – zugegebenermaßen etwas spät – aufmerksam gemacht worden. Das finde ich besonders spannend, weil sich mit einem Wechsel im Geschäftsmodell auch die Plattform selber wandeln wird und sich damit vielleicht auch das offene Modell der Plattform ändert, welches mich nach wie vor irritiert.

Das Geschäftsmodell von change.org

Beworbene Petition des WWF auf change.org

Eine „Sponsored Petition“ des WWF auf change.org.

Aber erst einmal einen Schritt zurück. Zur Zeit gibt es für Nonprofits die Möglichkeit E-Mail-Leads für den eigenen Newsletter auf Change.org zu generieren. Dafür wird im Anschluss an passende Petitionen eine Petition der zahlenden Organisation mit einem E-Mail-Opt-in angezeigt. Während dieses Geschäftsmodell scharf kritisiert wird (Kritik und Gegenrede), finde ich dies grundsätzlich eine gute Möglichkeit E-Mail-Verteiler von NGOs zu erweitern. Diese „Sponsored Petitions“ werden jetzt zurückgefahren und in den kommenden Monaten abgeschaltet. Nonprofits können aber natürlich weiter Petitionen starten und haben dort auch eine Opt-in-Möglichkeit für den eigenen Newsletter. Neuer Kern des Geschäftsmodell ist ein Crowdfunding-Modell bei dem Change.org, wie bei anderen Crowdfunding-Plattformen, einen prozentualen Anteil der Einnahmen bekommt. Wie gut Change.org als Fundraising-Plattform ist, muss ich mir ein andermal anschauen. Heute interessiert mich, welche Auswirkungen das auf die Kampagnen auf der Plattform hat.

Change.org als offene Plattform

Change.org ist eine offene Plattform auf der jeder seine Petitionen starten kann. Das führt dann schon einmal zu Kampagnen für die Einführung von Apple Pay in Deutschland oder für zeitliche Verschiebungen im Fernsehprogramm des ZDF. Diese Petitionen sind zwar sinnlos, eignen sich aber gut, neue Menschen auf die Plattform zu holen. Das finde ich schade, vor allem weil Change.org nicht nur eine Plattform bereitstellt, sondern mit eigenen Campaignern einzelne Kampagnen unterstützt mehr als eine digitale Unterschriftensammlung zu sein. Viele der Erfolge auf Change.org sind nicht einfach so passiert, sondern wurden von Change.org gezielt unterstützt.

Wechselt das Geschäftsmodell nun vom List-Building zu Crowdfunding, wird die Plattform einen größeren Wert auf die Beziehungen zwischen den Besuchern, der Plattform und der Organisation legen müssen. Es spricht einiges dafür, hier mehr Wert auf die Auswahl der Projekte zu legen. Hierzu kann ich auch den Artikel von Dave Karpf empfehlen. Mit den neuen Sozialen Bewegungen gehen sie schon in diese Richtung. Vielleicht sehen wir bei Change.org in nächster Zeit ja mehr Online-Campaigning und weniger reine Petitionen.

Ob dieser Wechsel auch eine einheitlichere politische Ausrichtung mit sich bringt, wird sich zeigen. Zur Zeit können auch sich vollständig wiedersprechende Kampagnen auf der Plattform ihren Platz finden. Das geht so weit, dass die in den USA traditionell eher den Demokraten nahe Organisation im letzten Jahr auch jemanden für das konservative Amerika gesucht hat: „Tap into and grow your existing networks of center-right political campaigns and issue groups in the US to introduce them to Change.org.“

Change.org als Social Business

Besonders in Deutschland irritiert die Rechtsform von Change.org viele Unterstützer und Kritiker. Auch ich bin da altmodisch und würde mir eine Gemeinnützigkeit wünschen. Change.org ist als normales Unternehmen gegründet worden und in den USA als B Corporation zertifiziert. Die Plattform versteht sich als Sozialunternehmen, dass alle Gewinne in das unternehmen investiert. Da dies aber nicht in einem rechtlichen Status abgesichert ist, gäbe es jederzeit die Möglichkeit die Zertifizierung rückgängig zu machen und Profite an die Shareholder auszuzahlen.

Mit den Umbrüchen bei Change.org gelangt einiges ins Wanken. Vielleicht ja auch noch einmal die grundsätzliche Frage nach der Rechtsform. Eine Gemeinnützigkeit würde es der Plattform erlauben nicht nur an Crowdfunding-Plattformen anderer Organisationen zu partizipieren, sondern auch selber einen Stamm an Unterstützern aufzubauen. Zudem würde es vielen Organisationen leichter fallen von Change.org bereitgestellte Dienste als Plattform-as-a-Service bei sich zu integrieren. Gelingt die Kombination aus Petition und Fundraising-Plattform wäre das auch auf den Websites der Organisationen äußerst interessant.

Wie immer interessiert mich deine Meinung zum Thema. Siehst du Change bei Change.org? Kannst du dir einen wirklichen Wandeln eine so großen Plattform vorstellen? Schreib mir einfach ein Kommentar hier in den Blog oder eine E-Mail an jona@pluralog.de!

Schöne Grüße
Jona

PS: Wenn du neue Beiträge schon vor der Veröffentlichung per E-Mail bekommen möchtest, trage dich in meinen Newsletter ein. Ich schicke dir die Texte dann in einer personalisierten E-Mail zu.

5 Antworten
  1. Ronald Pabst
    Ronald Pabst says:

    Es gibt ja auch arge Bedenken gegen die Datenschutz-Standards bei change.org, die auch bei der Verleihung des Big Brother Awards angesprochen wurden. Da müsste sich auch etwas ändern.

  2. Stefan
    Stefan says:

    Nur wie sollte das Unternehmen change.org nach deutschem Recht gemeinnützig werden? Welcher im Gesetz katalogisierte gemeinnützige Zweck würde passen? Eher keiner. Und selbst wenn würde das Finanzamt sagen: Oh, politisch, geht nicht. (Jetzt sagt es vielleicht: Oh, nicht gerade selbstlos.)

  3. Jona Hölderle
    Jona Hölderle says:

    Hallo Stefan, da gibt es aus meiner Sicht genug Möglichkeiten von einem Fördervereins-Modell wie z.B. bei der Wikimedia bis hin zur Abwicklung über eine Stiftung in den USA. Schöne Grüße Jona

  4. Stefan
    Stefan says:

    Jona, das kommt gsnz aufs Finanzamt an, ob sie das Recht im Sinne einer offenen Gesellschaft großzügig auslegen oder rigide. Frankfurt z.B. findet, dass fast alle politische Einflussnahme nicht gemeinnützig sein kann.

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