Kolumne: Ein Relaunch ist immer ein Fehler

Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf sozialmarketing.de veröffentlicht. Mehr zum Thema Relaunch gibt es dort.

Ich gebe zu, ich hab schon den ein oder anderen Relaunch gemacht. Für mich selber oder als externe Begleitung für gemeinnützige Organisationen. Ich verdiene also zum Teil mein Geld damit. Dennoch, ein Relaunch ist immer ein Fehler!

Ein vollständiger Relaunch einer Website beinhaltet in der Regel eine graphische Neugestaltung, eine Änderung/Update des Content-Management-Systems (der Software hinter der Website) und der Informationsarchitektur also der Inhalte und ihrer Struktur. Dies alles auf einmal zu ändern ist ein Eingeständnis, dass man eine Weile lang zu wenig an seiner Website gearbeitet hat.

All dies kann auch in kleinen Schritten kontinuierlich verbessert werden. Die Website ist kein Buch, bei dem alle alten Exemplare verkauft werden müssen bevor es neu aufgelegt werden kann. Die Organisation macht tagtäglich positive und negative Erfahrungen mit ihrer Website und kann daran direkt etwas ändern. Stößt das Content-Management-System an Grenzen braucht es Erweiterungen, Plugins oder einen Wechsel, stimmt das Layout nicht mehr mit dem Bild überein, dass eine Organisation von sich hat, lässt es sich schrittweise ändern und Inhalte lassen sich Bereich für Bereich, Seite für Seite anpassen.

Aus Sicht der Organisation ist es aber oft leichter den großen Wurf zu machen, als die Website kontinuierlich zu entwickeln. Hier kann für besondere Maßnahmen Budget eingeplant, eine Agentur beauftragt und Mitarbeiter freigestellt werden. In einem begrenzten Zeitraum müssen die anderen Abteilungen halt mal damit leben, dass die Website jetzt Vorrang hat.

Aus meiner Sicht gibt es drei große Nachteile des vollständigen Relaunchs:

Wir müssen länger mit schlechten Seiten leben

Monate, manchmal auch Jahre vor einem Relaunch schleicht sich der Satz „Das machen wir dann beim nächsten Relaunch!“ ein. Inhalte werden nicht mehr Überarbeitet, Fehler nicht mehr angepackt. Lohnt sich ja eh nicht mehr für diese kurze Zeit. Wer die Innovationszyklen von großen wie kleinen Nonprofits kennt weiß aber, dass sich das über Jahre hinziehen kann. Wir haben zwar alle paar Jahre den großen Wurf, zum größten Teil ist unsere Website so aber nicht auf der Höhe der Zeit.

Verlinkungen gehen verloren

Für Verlinkungen und Suchmaschinen ist die Änderung der gesamten Website-Struktur so etwas wie der Super-GAU. Nichts ist mehr da wo es einmal war, alles ist durcheinander. Hat eine andere Website auf uns verlinkt, gilt diese Empfehlung jetzt nicht mehr oder für eine andere Unterseite. Obwohl Websites mit einem Relaunch in der Regel besser werden, ist es nicht ungewöhnlich wenn die Anzahl der Besucher erst einmal rückläufig ist.

Nach dem Relaunch geht es oft nicht weiter

Endlich ist er da, der Tag auf den alles seit einem Jahr hingearbeitet haben. Und klar, am Ende musste man Abstriche machen. „Das machen wir dann nach dem Relaunch!“ Nur, nach dem Go Live kommt der Alltag und meist ist viel liegen geblieben. Zudem ist die Agentur nun bezahlt und nicht mehr begeistert alle paar Tage noch Kleinigkeiten anzupassen. „Wir wollten doch eigentlich noch…“, „Das machen wir dann beim nächsten Relaunch!“.

2 Antworten
  1. Holger
    Holger says:

    Exakt meine Erfahrung bei meinem vorletzten Arbeitgeber, einer größeren öffentlichen Einrichtung. Mit sehr viel Geld wurde ein Relaunch in die Wege geleitet, der zwar kein schlechtes Ergebnis brachte, aber auch nach dem Vollzug noch für drei, vier Jahre Baustellen hinterließ, die nur schleppendst abgearbeitet werden konnten. Frustriert wurde der nächste Relaunch beschlossen. Beide Male für ziemlich viel Steuergeld.

  2. Stefan
    Stefan says:

    Wie wahr! Und oft gibt es auch das tolle Relaunch-Investment, weil ein neuer Webmensch alles auf eigene Art neu will – und sich dann die alten Nachlässigkeiten wieder einschleichen.

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