Pluralog
Eine eigene Community für die Spender

Eine eigene Community für die Spender

Noch ist nichts zu sehen auf 123WIR.org, aber hier soll, in nicht all zu ferner Zeit, die Zukunft des Spendens liegen. Auf 123Wir.org ist eine neue Community online, in der die Zukunft des Spendens liegen soll. Mal wieder.
Die Grundidee ist so einfach wie sinnvoll. Mit 123WIR.org will die Deutsche Welthungerhilfe eine eigene Online-Community bereit stellen, auf der ihre Mitarbeitern Hilfsprojekte vorstellen und aus dem jeweiligen Land berichten. Den Spendern und Interessierten soll es möglich sein, in unmittelbaren Kontakt zu den Projekten und Menschen vor Ort zu treten. Die Plattform startet mit einem Dutzend ausgewählter Projekte, für welche sogenannte Korrespondenten vor Ort bereit stehen, um die Kommunikation vonseiten des Projektes zu gewährleisten. Ob auch „Betroffene“ mit eingebunden werden, bleibt abzuwarten.

Fundraising

Mit dem Ziel Spendern Austausch und Vernetzung zu bieten hat 123WIR.org einen klaren Fundraising-Fokus. Neben der Möglichkeit für einzelne Projekte zu spenden kann es auch noch Aktionen von Unterstützergruppen geben. Für eine Community, die „Spenden zukünftig“ definieren will ein eher konservativer Ansatz. Eine Plattform wie diese könnte z.B. auch feste monatliche Beiträge auf die Projekte verteilen, oder Mitsprachemöglichkeiten bei der Projektentwicklung geben.

Und das Leben?

Bleibt die Frage, ob es einer eigenen Community bedarf, wenn es bereits riesige Communities gibt? Diese Frage würde ich mit einem klaren Ja beantworten. Micro-Communities können eine Fokussierung und Wertschätzung gegenüber den Mitgliedern bieten, die auf Facebook und co nicht möglich ist. Jedoch sollten Organisationen nicht erwarten, dass die Benutzer ähnlich aktiv werden.
Eine Community lebt von ihren Mitgliedern und den Aktivitäten auf der Plattform. Dies kann technisch unterstützt werden, letzten Endes hängt aber viel von der Welthungerhilfe und ihrem Engagement für 123WIR.org ab. Ein Selbstläufer ist so eine Plattform auf keinen Fall.
Aus den Screenshots ist nur wenig zu erkennen, was eine Einschätzung erschwert. Wichtig sind die Möglichkeiten zur Reaktivierung von Mitgliedern, eine gute E-Mail Integration, Verknüpfungen zu anderen Diensten und die Benutzerführung. Wird zudem kein Anreiz geschaffen selber etwas beizutragen, schläft eine Community schnell ein.

Fazit

Ich freue mich sehr auf eine neue Plattform und werde die Entwicklung gespannt verfolgen. Nachdem NPOs erste Erfahrungen mit eigenen Communities wie GreenAction oder Youthmedia.eu/Jugendmedien.de gesammelt haben ist hier erstmalig das Fundraising treibende Kraft. Bleibt zu hoffen, dass die Kollegen der Deutschen Welthungerhilfe in der Lage sind 123WIR.org mit Leben zu füllen, beständig weiter zu entwickeln und Durststrecken zu durchqueren.
Aber auch wenn am Ende „nur“ ein Werkzeug für den Kommunikationsfluss aus dem Projekten hin zum Spender entsteht ist der Welthungerhilfe etwas gelungen, was noch vielen Organisationen bevorsteht.

  • Jona Hölderle,
  • Februar 8, 2011

Kommentare

  • Ulrich Schlenker, Februar 8, 2011 at 12:00 pm |

    Gespannt auf das Portal bin ich auch, allerdings bin ich bei den Erfolgsaussichten nicht so euphorisch.

    Du schreibst selbst, dass die Organisation nicht glauben sollte, dass die Nutzer so aktiv werden wie auf Facebook, eine Community aber vom User-Engagement lebt. Genau da liegt der Haken. Hier muss die Welthungerhilfe beweisen, dass sie ihren Spendern durch Registrierung und Benutzung des Portals einen Mehrwert bieten kann, den es anderswo nicht gibt.

    Die transparente Darstellung der Projektarbeit ist lobenswert, doch diese gibt es hoffentlich auch für nicht registrierte Webbenutzer. Und eigentlich braucht es dafür keine eigene Community.

  • Jona, Februar 8, 2011 at 1:32 pm |

    Hallo Uli, eine eigene Community ist meiner Meinung nach schon sinnvoll, weil gute Transparenz nur durch Interaktion möglich ist. Aber ich gebe dir total recht, spannend und wichtig wird, welche Funktionen auch für nicht registrierte Benutzer sichtbar sind.

  • Michael, Februar 8, 2011 at 2:38 pm |

    @Jona: Du widersprichst Dir selbst: „Gute Transparenz nur durch Interaktion möglich“ – geschenkt. Aber wo ergibt sich daraus, dass man eine „eigene“ Community braucht?

    Ich denke in Zeiten von FB, E-Mail, Twitter, Brief, Telefon, etc. braucht man vor allem eines für Transparenz überhaupt nicht: Abgeschlossene Kommunikation. Nichts anderes schafft aber jede neue Community.

    Uli kann ich deshalb nur zustimmen: Transparenz sollte auf allen Ebenen und auch für Nicht-Registrierte vorhanden sein. Auf den tatsächlichen Mehrwert von 123wir bin ich deshalb auch gespannt.

  • Jona, Februar 8, 2011 at 2:48 pm |

    Hallo Michael, mit Interaktion meine ich hier nur Community-Funktionen die über statische Berichte notwendig sind. Aber da sind wir uns glaube ich einig. Externe Communities sind dabei keinesfalls offener, weshalb ich schon denke, dass eigene Communities gut geeignet sind um alle Funktionen zu bündeln. Ob dies jetzt auf einer eigenen Plattform geschieht oder einfach auf der normalen Homepage ist dabei eher nebensächlich. Schöne Grüße Jona

  • Stefan Meyn, Februar 8, 2011 at 2:53 pm |

    Ich denke auch, dass hier ein interessantes Projekt startet. Es geht hier ja nicht um eine reine web 2.0-Community, die ohne die Nutzer selbst komplett leer bleibt. Vielmehr werden Projekte präsentiert und die Möglichkeit der Interaktion wird zur Verfügung gestellt. Dadurch kommen die potentiellen Spender „näher ran“. Das „Netzwerk“ der Welthungerhilfe sollte groß genug sein, um die Seite mit Leben zu füllen.

  • Sebastian Schwiecker, Februar 8, 2011 at 5:21 pm |

    „Bleibt die Frage, ob es einer eigenen Community bedarf, wenn es bereits riesige Communities gibt?“

    Wenn man „Community“ las kommentierbaren Blog, Newsletter etc. versteht, dann sicherlich ja. Wenn man aber Community so versteht wie es der hier eingebundenen Präsentation zu entnehmen ist, man sich also registrieren kann, sich mit anderen Nutzern befreunden kann, Fotos hochladen kann… dann ist meine Antwort ein klares nein!

    Kann mir einfach nicht vorstellen, dass der Aufwand für Konzeption, Design, Entwicklung, Betreuung und Vertrieb in einem sinnvollen Verhältnis zum Nutzen stehen wird, lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen.

    Gibt es denn irgendwo Beispiele wo sich eine vergleichbare Eigenentwicklung wirklich gelohnt hat?

  • Sven, Februar 8, 2011 at 5:53 pm |

    Ich vermute (ohne jedes Hintergrundwissen), dass die einen Großteil ihres Spendenaufkommens bei der Generation 50+ generieren. Sollten sie die Community vorrangig auf diese ausrichten, wäre das in meinen Augen 1) keine Parallel-Community zu bestehenden, 2) eine riesen Herausforderung in Sachen Benutzerfreundlichkeit und 3) spannend.

  • Hannes Jähnert, Februar 9, 2011 at 8:33 am |

    Hallo Jona, vielen Dank für den Anfang. Jetzt sehe auch ich mich langsam angehalten was dazu zu schreiben. Ich erinnere mich an einige Beiträge — bspw. vom Kulturmanager Christian Henner-Fehr und meinereins — zum Community-Building und dem Traum vom eigenen Social Network, das sich möglichst selbst trägt und die Interessen der hostenden Organisation in die Öffentlichkeit transportiert.

    So verquer dieser Gedanke anmutet, er war und ist erstaunlich weit verbreitet. Mit 123wir.org — glaube ich — wird nun ein ehrlicher Versuch unternommen, den Gedanken einer Spezial-Community für das Fundraising nutzbar zu machen. Ohne Schnittstellen zu den Räumen in denen sich die Zielgruppe dieses Projektes tummelt (Facebook, Twitter VZ-Netzwerke usw.) sehe ich da allerdings nur eine geringe Chance auf Aktivität.

    Gruß
    Hannes

  • Jona, Februar 9, 2011 at 8:35 am |

    Danke Hannes. Das ist auch mein gefühl kurz zusammen gefasst :)

  • Jona, Februar 14, 2011 at 2:15 pm |

    123WIR.org ist online. Leider kam ich noch nicht dazu sie mir richtig anzuschauen. Ihr?

  • Sebastian Schwiecker, Februar 15, 2011 at 2:53 pm |

    Um nicht immer nur zu meckern: Wenn ich es richtig sehe, dann ist die Seite weitgehend mit WordPress erstellt worden. Das fände ich dann allein aus technischer Sicht ganz beeindruckend (+ es wird hoffentlich entsprechend günstig in der Umsetzung gewesen sein).

  • Jona, Februar 15, 2011 at 5:25 pm |

    Also auf den ersten Blick hätten sie sich wohl mit einem Multi-Blogsystem wie z.B. Greenpeace es fährt mehr geholfen…

  • Christoph, April 9, 2011 at 12:08 pm |

    wie ist deine meinung jetzt jona? super von idee, look and feel und inhalten – aber die interaktivität lässt zu wünschen übrig, oder?

    cheers, c.

  • Jona, April 9, 2011 at 5:31 pm |

    Hallo Christoph,

    grundsätzlich finde ich es nach wie vor eine gute Sache und es gibt auch teilweise interessante Berichte. Allerdings besteht das Problem, dass diese Community konzeptionell nicht zuende gedacht ist. Hier bin ich gespannt ob noch weiter entwickelt wird.

    Ohne ein Push Intsrument wird es langfristig keine Kommunikation geben. Dabei ließe sich aus den bestehenden Informationen ein für die Benutzer interessanter und angepasster Newsletter erstellen, in dem auf individuelle Interessen eingegangen wird. Zur Zeit meldet man sich an, ließt ein bisschen etwas und geht wieder. Ein Rückkehrimpuls fehlt vollständig. Und auch wenn ich auf die Plattform gehe werden mir die für mich relevanten Neuigkeiten, Informationen und Diskussionen nicht sinnvoll angezeigt.

    Dazu die langweilige Einbindung der Spendenmöglichkeiten und den Fokus auf Einzelspenden…

    Also Grundidee gut, aber nicht wirklich durchdacht. Zudem kann eine Community nicht als einmalprojekt funktionieren. Mal schauen, ob weiter daran entwickelt wird.

    Schöne Grüße
    Jona

  • Jörg, Juli 10, 2015 at 6:26 pm |

    Finally deleted

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